Shopify oder Shopware — kaum eine Frage wird in deutschen E-Commerce-Projekten so oft gestellt. Und kaum eine wird so oft mit Halbwissen beantwortet. Die einen schwören auf die deutsche Open-Source-Lösung, die anderen auf die kanadische SaaS-Plattform. Die Wahrheit: Beide Systeme sind ausgereift, beide betreiben erfolgreiche Shops in Millionenhöhe. Die Frage ist nicht, welches System „besser" ist — sondern welches zu deinem Geschäftsmodell, deinem Team und deinem Budget passt.
Als Shopify-Agentur haben wir eine klare Präferenz, das sagen wir offen. Aber wir haben auch genug Replatforming-Projekte begleitet, um zu wissen: Es gibt Fälle, in denen Shopware die bessere Wahl ist. Genau deshalb bekommst du hier keinen Werbetext, sondern einen ehrlichen Vergleich — Stand 2026, mit aktuellen Preisen und Fakten.
Die Grundphilosophie: SaaS gegen Open Source
Der wichtigste Unterschied liegt nicht in einzelnen Features, sondern im Konzept.
Shopify ist Software as a Service (SaaS). Du mietest die Plattform. Shopify kümmert sich um Server, Sicherheit, Updates, Skalierung und den Checkout. Du kümmerst dich um dein Geschäft. Der Preis dafür: Du arbeitest innerhalb der Leitplanken, die Shopify vorgibt. An den Kern der Software kommst du nicht heran.
Shopware 6 ist im Kern Open Source. Du kannst das System selbst hosten, den Quellcode einsehen und theoretisch jede Zeile anpassen. Inzwischen bietet Shopware das System auch als SaaS- und PaaS-Variante aus der Cloud an — der Großteil der anspruchsvollen Projekte läuft aber weiterhin self-hosted oder auf der PaaS-Infrastruktur. Der Preis für die Freiheit: Du (oder deine Agentur) trägst die Verantwortung für Hosting, Updates, Sicherheit und Performance.
Vereinfacht gesagt: Shopify verkauft dir ein fertiges Produkt, Shopware einen Baukasten mit sehr viel Spielraum. Was besser ist, hängt davon ab, ob du diesen Spielraum wirklich brauchst — und ob du bereit bist, ihn zu bezahlen.
Kosten: Was du wirklich zahlst
Der Kostenvergleich ist der Punkt, an dem die meisten Vergleiche unseriös werden. Denn die Lizenzgebühr ist nur ein Teil der Rechnung. Schauen wir ehrlich hin.
Shopify: Planbare Monatsgebühren
Shopify staffelt seine Pläne nach Unternehmensgröße (Stand 2026, bei jährlicher Zahlung günstiger):
- Basic — ab ca. 27 €/Monat: für den Start und kleine Shops.
- Grow — ab ca. 79 €/Monat: für wachsende Teams mit mehr Mitarbeiter-Accounts und besseren Reports.
- Advanced — ab ca. 289 €/Monat: für größere Händler mit internationalem Fokus.
- Shopify Plus — ab ca. 2.300 US-Dollar/Monat: die Enterprise-Stufe mit erweitertem B2B, tiefer Checkout-Anpassung und Umsatzstaffelung nach oben.
Dazu kommen Zahlungsgebühren (bei Shopify Payments je nach Plan gestaffelt), kostenpflichtige Apps — realistisch 50 bis 300 € monatlich je nach Setup — und einmalige Kosten für Design und Einrichtung. Ein professioneller Shopify-Shop von einer Agentur startet je nach Anspruch im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich.
Shopware: Niedrige Einstiegshürde, höhere Betriebskosten
Shopware 6 gibt es als kostenlose Community Edition — allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Seit 2025 gilt eine Fair-Use-Policy, die die kostenlose Nutzung auf rund 1 Million Euro Jahresumsatz (GMV) begrenzt. Darüber brauchst du einen kommerziellen Plan:
- Rise — ab ca. 600 €/Monat: der Einstieg in die kommerziellen Pläne, inklusive Premium-Themes und KI-Copilot.
- Evolve — ab ca. 2.400 €/Monat: der Mittelstandsplan mit vollem B2B-Funktionsumfang.
- Beyond — individuell bepreist, typischer Einstieg im mittleren vierstelligen Bereich pro Monat: die Enterprise-Stufe mit 24/7-Support.
Und jetzt der Teil, den viele vergessen: Bei Shopware kommen Hosting (je nach Größe ca. 100 bis 400 €/Monat für Managed Hosting, bei größeren Shops deutlich mehr), laufende Wartung durch Entwickler oder Agentur (Updates, Sicherheits-Patches, Kompatibilitätstests nach jedem Release) und in der Regel höhere Projektkosten dazu. Shopware-Projekte sind Entwicklungsprojekte — Budgets im mittleren fünfstelligen Bereich sind eher die Regel als die Ausnahme, nach oben offen.
Das ehrliche Fazit zu den Kosten: Bis etwa 1 Million Euro Umsatz ist Shopify in der Gesamtrechnung fast immer günstiger und vor allem planbarer. Im gehobenen Mittelstand nähern sich die Gesamtkosten an — dann entscheiden andere Faktoren. Wer nur die Lizenzgebühren vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Individualisierbarkeit: Wie viel Freiheit brauchst du wirklich?
Hier liegt Shopwares stärkstes Argument — und es ist ein echtes. Weil du bei Shopware am Quellcode arbeitest, ist praktisch alles anpassbar: eigene Checkout-Prozesse, komplexe Produktkonfiguratoren, tiefe ERP-Verzahnung, Sonderlogik für Preise und Bestellprozesse. Die Erlebniswelten (Shopping Experiences) geben Marketing-Teams zudem einen mächtigen CMS-Baukasten für Landingpages und Storytelling an die Hand. Wenn dein Geschäftsmodell wirklich ungewöhnliche Prozesse hat, ist das Gold wert.
Shopify war hier lange restriktiver — hat aber massiv aufgeholt. Themes lassen sich frei entwickeln, mit Shopify Functions greifst du in Rabatt-, Versand- und Zahlungslogik ein, und über Checkout Extensibility kannst du den Checkout mit geprüften Bausteinen erweitern (die tiefsten Eingriffe bleiben Shopify Plus vorbehalten). Für Headless-Projekte gibt es mit Hydrogen ein eigenes Framework samt Hosting-Infrastruktur (Oxygen), das 2026 nochmals geöffnet wurde und sich inzwischen auch außerhalb der Shopify-Infrastruktur betreiben lässt.
Der ehrliche Unterschied: Bei Shopify passt du innerhalb eines stabilen Rahmens an — schnell, sicher, updatefest. Bei Shopware kannst du den Rahmen selbst umbauen — mächtiger, aber teurer und mit dauerhaftem Pflegeaufwand. Unsere Erfahrung aus vielen Projekten: 90 Prozent der „Sonderwünsche", für die Händler glauben, ein Open-Source-System zu brauchen, lassen sich in Shopify mit Bordmitteln, Apps oder überschaubarem Custom Code lösen. Die restlichen 10 Prozent gibt es aber wirklich.
Apps und Plugins: Zwei Ökosysteme, zwei Welten
Shopify betreibt den mit Abstand größten App Store im E-Commerce: über 10.000 Apps, von E-Mail-Marketing über Bundles bis KI-Personalisierung. Die Qualität ist hoch, weil Shopify die Apps prüft und schlechte Anbieter aussortiert werden. Installation dauert Minuten, Updates laufen automatisch, und die Apps können den Shop-Kern nicht beschädigen. Der Nachteil: Viele gute Apps kosten monatlich, und die Summe läppert sich.
Shopware hat einen deutlich kleineren Store mit einigen tausend Erweiterungen — dafür mit klarem DACH-Fokus. Anbindungen an DATEV, deutsche ERP-Systeme, Rechnungskauf-Anbieter und branchenspezifische Lösungen für den deutschen Markt findest du hier oft in besserer Tiefe. Der Nachteil: Plugins greifen direkt ins System ein. Nach jedem Shopware-Update musst du prüfen, ob alle Plugins noch kompatibel sind — das ist ein realer, wiederkehrender Kostenfaktor.
Hosting, Sicherheit und Wartung
Hier ist der Unterschied am größten — und für viele Händler am wichtigsten.
Bei Shopify ist das Thema schlicht erledigt. Hosting, CDN, SSL, PCI-Compliance, DDoS-Schutz, Skalierung am Black Friday: alles inklusive, weltweit, ohne dass du dich darum kümmerst. Es gibt keine Updates, die du einspielen musst. Dein Shop läuft immer auf der aktuellen Version.
Bei Shopware (self-hosted oder PaaS) liegt die Verantwortung bei dir beziehungsweise deiner Agentur. Das ist kein Drama — gute Managed-Hosting-Partner nehmen dir viel ab — aber es ist ein laufender Posten aus Geld und Aufmerksamkeit: Server-Monitoring, Sicherheits-Patches, Versions-Upgrades, Lasttests vor Peak-Phasen. Dafür bekommst du volle Datenhoheit: Du entscheidest, wo deine Daten liegen — auf Wunsch auf einem deutschen Server. Für manche Unternehmen mit strengen Compliance-Vorgaben ist genau das ein K.-o.-Kriterium pro Shopware.
Du bist unsicher, welches Setup zu deinen Anforderungen passt? Buch dir ein kostenloses Erstgespräch mit uns — wir rechnen beide Szenarien ehrlich mit dir durch.
Internationalisierung: Shopifys Heimspiel
Wenn du über Deutschland hinaus verkaufen willst, spielt Shopify seine Stärken aus. Mit Shopify Markets steuerst du Länder, Währungen, Übersetzungen, lokale Zahlarten und Preisstaffeln aus einem einzigen Backend. Lokale Domains, automatische Währungsumrechnung und internationale Steuerlogik sind eingebaut. Dazu kommt ein globales Checkout- und Payment-Netzwerk, das in Sachen Conversion-Optimierung Maßstäbe setzt.
Shopware kann Internationalisierung ebenfalls — Sprachen, Währungen und Sales Channels sind sauber angelegt. In der Praxis steckt aber mehr Konfigurations- und Pflegeaufwand dahinter, und das Ökosystem ist außerhalb der DACH-Region dünner: weniger Agenturen, weniger Plugins, weniger Payment-Integrationen. Umgekehrt gilt: Für einen Shop, der primär den deutschen Markt bedient, ist Shopwares DACH-Fokus kein Nachteil, sondern ein Vorteil.
B2B: Shopwares stärkstes Terrain — mit einem Aber
Jahrelang war die Sache klar: Wer ernsthaftes B2B macht, nimmt Shopware. Kundenspezifische Preise, Angebotsmanagement, Budget- und Freigabeprozesse, Bestell-Listen — der Evolve-Plan wurde genau dafür gebaut, und die Nähe zu deutschen ERP-Landschaften ist unbestritten. Wenn dein Geschäft komplexe B2B-Prozesse mit Händlernetzen, individuellen Konditionen und Freigabe-Workflows abbildet, ist Shopware nach wie vor ein sehr starker Kandidat — das muss ein fairer Vergleich klar sagen.
Aber die Lücke schließt sich. Shopify hat B2B in den letzten Jahren massiv ausgebaut: Firmenprofile mit mehreren Standorten, kundenspezifische Kataloge und Preislisten, Zahlungsziele, ein eigener B2B-Checkout. Die Grundfunktionen sind inzwischen in den regulären Plänen angekommen; der volle Umfang — unbegrenzte Kataloge, eigene B2B-Storefront, hinterlegte Firmenkreditkarten — bleibt Shopify Plus vorbehalten. Für „B2B light" (Wiederverkäufer, Staffelpreise, Netto-Rechnungen) reicht Shopify heute locker. Für tiefe, ERP-getriebene B2B-Prozesse hat Shopware weiterhin die Nase vorn.
Migration: Der Wechsel ist einfacher, als du denkst
Viele Händler bleiben nur deshalb auf ihrem alten System, weil sie den Umzug fürchten. Die Sorge ist meist übertrieben. Produkte, Kunden und Bestellungen lassen sich über Schnittstellen und Migrations-Tools sauber übertragen, URLs werden per Weiterleitung SEO-sicher umgezogen, und ein gut geplanter Wechsel läuft ohne Ausfallzeit. Kritisch sind vor allem zwei Punkte: gewachsene Individualentwicklungen (die musst du neu denken, nicht kopieren) und wiederkehrende Zahlungen/Abos. Beides gehört in eine ehrliche Vorab-Analyse — bevor die erste Zeile migriert wird.
Shopify vs. Shopware: Der direkte Vergleich
- Grundmodell: Shopify = SaaS, alles aus einer Hand. Shopware = Open Source mit Cloud-Option, maximale Kontrolle.
- Einstiegskosten: Shopify ab ca. 27 €/Monat. Shopware Community Edition kostenlos (bis ca. 1 Mio. € Umsatz), kommerzielle Pläne ab ca. 600 €/Monat.
- Gesamtkosten (TCO): Shopify planbar und bis in den Mittelstand meist günstiger. Shopware durch Hosting, Wartung und Entwicklung teurer, dafür ohne SaaS-Abhängigkeit.
- Individualisierung: Shopify stark innerhalb des Rahmens (Functions, Checkout Extensibility, Hydrogen). Shopware nahezu grenzenlos — auf eigene Rechnung.
- Apps/Plugins: Shopify mit dem größten, kuratierten Ökosystem. Shopware kleiner, aber mit starkem DACH-Fokus (DATEV, deutsche ERPs).
- Hosting & Wartung: Shopify inklusive und wartungsfrei. Shopware in deiner Verantwortung — mit voller Datenhoheit als Gegenwert.
- Internationalisierung: Klarer Punkt für Shopify (Markets, globaler Checkout). Shopware solide, aber aufwendiger.
- B2B: Punkt für Shopware bei komplexen Prozessen. Shopify holt schnell auf und deckt B2B light bis Mittelklasse ab.
- Zeit bis zum Launch: Shopify-Projekte starten oft in Wochen. Shopware-Projekte rechnen in Monaten.
Fazit: Welches System passt zu dir?
Es gibt keine pauschale Antwort — aber es gibt klare Muster aus der Praxis.
Nimm Shopify, wenn …
- du dich auf Marketing und Produkt konzentrieren willst statt auf Technik,
- deine Gesamtkosten planbar sein sollen — ohne Überraschungen bei Hosting und Wartung,
- du international verkaufst oder es vorhast,
- du schnell launchen und danach flexibel bleiben willst,
- dein B2C-Geschäft (oder B2B light) mit Standards plus Apps gut abbildbar ist.
Shopware kann passen, wenn …
- dein Geschäftsmodell tiefe Individualentwicklung wirklich erfordert — nicht nur „nice to have",
- komplexes B2B mit Freigabeprozessen, Händlerstrukturen und enger ERP-Verzahnung dein Kerngeschäft ist,
- volle Datenhoheit und Hosting in Deutschland für dich Pflicht sind,
- du ein technisches Team oder eine Agentur hast, die das System dauerhaft betreut — und das Budget dafür.
Unsere Empfehlung nach vielen Projekten auf beiden Seiten: Starte nicht mit der Systemfrage, sondern mit deinen Prozessen. Wer seine Anforderungen ehrlich aufschreibt, erkennt meist schnell, in welche Richtung es geht — und spart sich ein teures Fehl-Replatforming.
Du stehst genau vor dieser Entscheidung? Als Shopify-Agentur mit Erfahrung in Replatforming-Projekten sagen wir dir ehrlich, ob Shopify für dich die richtige Wahl ist — und auch, wenn sie es nicht ist. Buch dir jetzt dein kostenloses Beratungsgespräch und wir schauen gemeinsam auf dein Setup.
